Kirche Mariae Heimsuchung

Mariae HeimsuchungDie Alte Kirche Mariae Heimsuchung in Hohenlinden ein herausragendes Bauwerk des Klosters Ebersberg

Auf dem Höhepunkt des großen Benediktinerklosters Ebersberg und 100 Jahre vor seinem Niedergang, ließ einer der bekanntesten Äbte dieses Klosters noch mehrere Kirchen bauen. Für eine davon wählte er einen besonderen Platz aus: Am Ende seines Herrschaftsgebietes, im Schnittpunkt mehrerer Fahrwege, umgeben im Westen von den herzöglichen Landgerichten Schwaben und Erding, im Norden vom Bereich des bischöflichen Kollegialstiftes Isen und im Osten an der Grenze seines Klosterlandes zur Reichsgrafschaft Haag.

Vom Kloster führte eine fast schnurgerade Straße bis zu der Stelle, an der seine Kirche errichtet wurde. Von hier ging ein Fahrweg nordwestlich nach Forestarin (dem heutigen Forstern), wo der letzte Zehentstadel des Klosters stand. Nördlich davon war die Urpfarrei Buch am Buchrain, deren Einwohner schon dem "Kasten von Landshut" also zum niederbayerischen Herzog lehenspflichtig waren. Von Norden führte ein Weg vom bischöflichen Isen den Mittbacher Berg herunter in den Ebersberger Klostergrund. Abt Eckhard, der von 1446 - 1472 regierte, führte in seinem Kloster die Sebastians-Bruderschaft ein und förderte damit die Wallfahrt zu der in einer Silberbüste neugefassten Hirnschale dieses Heiligen. Für den Nachfolger-Abt Sebastian Häfele (1472 - 1500) „ains Hafners sun von Villspyburg“ - sein Wappen ist ein irdener Topf - war dieser Standort in Hohenlinden deshalb wichtig, weil um diese Zeit andere Wallfahrtsorte in ihre Marienkirchen Gläubige anzogen, so ab 1439 Maria Thalheim, 1441 Tuntenhausen, 1450 Maria Dorfen und 1490 Altötting. Für seine Hohenlindener Kirche wählte er mit Mariae Heimsuchung auch ein besonderes Patrozinium, das erst um 1500 von Papst Innozenz IX in der römischen Kirche eingeführt worden ist. Als Bauherr beauftragte er den Münchner Baumeister Ulrich Randek, der schon beim Bau der Klosterkirche zwischen 1481 und 1484 seinem Vater Erhardt Randek geholfen hatte. Im Jahre 1499 erhielt Ulrich Randek vom Herzog Sigismund einen weiteren Auftrag: Neubau der heutigen Pfarrkirche in Untermenzing mit vielen Ähnlichkeiten zur Hohenlindener Kirche. Um 1509 ist Ulrich Randek in München gestorben. In der Hohenlindener Kirche sind besonders beachtenswert die Wandpfeiler, die ein gotisches Netzgewölbe tragen mit zwei Schlusssteinen, auf denen die Bilder Maria Heimsuchung und der bethlehemitische Kindermord eingemeißelt sind. Die Halbfiguren und Wappen an den Kragsteinen sollen die Bedeutung dieser Kirche an diesem Standort besonders herausheben.

Die Büsten und Wappen sollen hinweisen auf die Geschichte des Klosters, die Grafen von Ebersberg, die Bischöfe von Freising und bayer. Herzöge. Auch der Baumeister Randek hat sich mit seinem Meisterzeichen verewigt, das sich von dem seines Vaters in der Ebersberger Klosterkirche dadurch unterscheidet, dass der senkrechte Strich rechts über dem waagrechten nach unten verlängert ist. Um die Bedeutung der Hohenlindener Kirche noch besonders herauszuheben, hat der Nachfolger, Abt Leonhardt oder Lienhard, der von 1500 - 1509 dem Kloster vorstand, noch zwei wertvolle farbige Glasfenster gestiftet. Das linke Fenster zeigt den hl. Sebastian mit einem Pfeil in der Rechten. Rechts hat sich mit nur halber Körpergröße Lienhard mit Abtstab an den Mantel des Pestheiligen gelehnt. Links unten ist die Stifterscheibe, die schon sehr nachgedunkelt ist, mit einem goldfarbigen Zeichen auf blauem Grund und der Inschrift "dns Lienhardus abbas 1502" (dns = dominus = Herr). Beide Personen sehen zum nächsten Fenster auf die Madonna. Die Rundscheibe darunter zeigt das Meisterzeichen des Baumeisters mit der Inschrift "Ulrich Randök stain 1489". Auf dem rechten Glasfenster sehen wir Maria als liebliche Frau mit dem Kind auf dem rechten Arm im Strahlenkranz, rechts unten das Ebersberger Wappen (Wildschwein). Die Rundscheibe zeigt - passend zur linken - das Wappen des Münchner Glasers mit der Inschrift „ Hans Winhart glaser 1489“. Es ist anzunehmen, dass auch die Langhauswände Farbglasfenster hatten, die bei der Barockisierung der Fenster mit Rundbögen verschwunden sein können. Bis zur letzten Renovierung waren beide Farbglasfenster noch im ersten Fenster an der östlichen Längswand. Seitdem leuchten sie jetzt vor allem bei Sonnenlicht am Vormittag über dem Altar.

Die Werkstatt für diese beiden Farbglasfenster befand sich in der Nähe des Münchner Domes. Sie gehörte um 1482 dem Münchner Glaser-Meister Martin, dessen Erbe 1485 Hans Winhart übernommen hat. In der einschlägigen Literatur sind Angaben über weitere Werke enthalten. Dazu gehörten sicher auch die Farbglasfenster in Haselbach bei Ebersberg, während die von Traxl von Fachleuten heute anderen Meistern zugesprochen werden. Hans Winhart hatte bis zu seinem Tode im Jahre 1535 den Titel „statglaser“ (Stadtglaser). Quelle: Dissertation von Susanne Fischer „Die Münchener Schule der Glasmalerei“, 1997.

In der zweiten Diözesanbeschreibung mit den damals vorhandenen Pfarr- und Filialkirchen aus dem Jahre 1524 ist auch unsere Kirche schon dabei. Die Stiftung eines klostereigenen Zehent sorgte für den Unterhalt eines Geistlichen, der im Benefiziatenhaus seine Wohnung hatte. 1725 genehmigte der Freisinger Fürstbischof Franz Johann Ecker zur Aufbesserung der Besoldung eine Stiftung, die Matthias Käser, Wirt in Hohenlinden und dessen Vater Georg Käser, Wirt von Albaching, gemacht hatten. Darum hatte auch der Postwirt von Hohenlinden in dieser Kirche eine eigene Kniebank, auf der mit schwarzem Pinsel geschrieben ist: "denen Postknechten gewidmet". Als im Jahre 1775 die Malteser das Kloster in Ebersberg übernahmen, verringerte sich auch immer mehr von dort der Einfluss. Der letzte bekannte Benefiziat wohnte schon nicht mehr in Hohenlinden, sondern in Ebersberg. In der 3. Diözesanbeschreibung von 1738 wird zu den Filialen der Pfarrei Mittbach neben Kronacker, Pyramoos und Burgrain auch schon die Kirche von Hohenlinden gezählt. Sie hatte nie einen Friedhof. Dieser befand sich in Kronacker. Ungefähres Aussehen unserer Kirche aus der Zeit um 1800 zeigt der Kupferstich, den der Pariser Graveur Andonin anlässlich der Schlacht von Hohenlinden unter dem Bild des Generals Moreau gezeichnet hat. Vielleicht wurde bei dieser Schlacht die Spitze des Westturms beschädigt und später durch den heutigen Zwiebel ersetzt.

Die Kirche hatte früher im Nordwesten einen Anbau, der nach dem Brand der Birkacher Klause etwa von 1750 - 1844 Eremiten als Schulraum diente bis zum Bau eines ersten Schulhauses in Hohenlinden. Nach mündlicher Überlieferung soll von hier aus der Klausner zu Beginn der Schlacht seine Kinder mit dem Kreuz voraus durch die Reihen von französischen Soldaten bis zu deren Elternhaus gebracht haben. Als um 1890 der Plan zum Neubau einer großen Pfarrkirche greifbare Gestalt annahm, dachten manche Leute daran, die Alte Kirche abzubrechen und auf dem gleichen Platze die neue zu errichten. Der damalige Konservator vom heutigen Landesamt für Denkmalpflege, Prof. Dr. Hager, schreibt, wohl auf eine diesbezügliche Anfrage des Pfr. Neumair, am 12. Oktober 1897 zurück: „Die Alte Kirche in Hohenlinden zählt nach meinem Dafürhalten zu jenen Baudenkmälern, welche im Interesse unseres bayerischen Denkmalschutzes entschieden erhalten werden müssen. Der Umstand, dass sie durch die Inschrift im Glasgemälde und durch den Meisterschild an der Gewölbekonsole als Werk des Ulrich Randeck von München bezeugt ist, erhebt sie weit über den Wert gewöhnlicher gotischer Landkirchen. Sie bildet ein wichtiges Glied in der Erforschung der spätgotischen Baukunst in Bayern.“

Die Kirche wurde von Pfarrer Martin Andrä und Kirchenpfleger Erl zur Feier des 450-jährigen Bestehens im Jahre 1939 renoviert. Seit dem 2. Weltkrieg dient sie bis heute auch den evang. Christen, die vermehrt nach Hohenlinden und Umgebung zugezogen sind, als Gotteshaus. Zur 500-Jahrfeier im Jahre 1989 fand unter Pfarrer Heinrich Bujok mit dem Kirchenpfleger Michael Jedl eine grundlegende Außen- und Innenrenovierung statt. Das Gotteshaus erlebte in dieser Festwoche durch die überaus starke Teilnahme der Gläubigen in ihrer 500-jährigen Geschichte wohl ihre größten Festtage. Seit dieser Zeit wird sie nun wieder ständig mit Gottesdiensten für kleinere Gemeinschaften am Mittwoch und Sonntag (Vormittag) genützt,weiterhin auch von den evangelischen Christen.

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