Die neue Kirche St. Josef

St JosefDer sonntägliche Gottesdienst wechselte seit der Gründung der Pfarrei im Jahre 1827 fast regelmäßig zwischen den drei Kirchen der Pfarrei: Hohenlinden, Kronacker, Preisendorf. Keine der drei Kirchen aber hatte Raum genug, alle Pfarrkinder zum Sonntagsgottesdienst aufzunehmen. Außerdem hatte, wenn der Gottesdienst in Preisendorf war, ein Teil der Gläubigen über eine Stunde zu gehen, um dorthin zu gelangen. Schließlich blieben viele der Sonntagsmesse fern. Um diesem Übel abzuhelfen, dachte man an die Vergrößerung einer der drei Kirchen. Aber keine derselben eignete sich dazu. Die Kosten wären zu hoch und die Gemeinde Hohenlinden war arm, so dass ein Neubau einer Kirche unmöglich schien. Trotzdem bemühte sich Pfarrer Kratzer darum und wandte sich mit der Bitte um Unterstützung an den Erzbischof von München und Freising. Als Pfarrer Kratzer 1884 die Pfarrei Hohenlinden verließ, folgte ihm 1885 Pfarrer Held, der die von seinem Vorgänger angeschnittene Frage in die Tat umzusetzen beschloss. Er gründete den Kirchenbauverein, zu dem sich 165 Mitglieder meldeten, und der jährlich 1000 Mark aufzubringen versprach.

Pfarrer Held wurde 1891 von Pfarrer Max Neumair abgelöst. Dieser war ein ebenso großer Organisator wie Künstler. Er ließ sich den Kirchenbau genauso angelegen sein wie sein Vorgänger. Schließlich waren die Mittel aufgebracht, so dass mit dem Bau der Kirche begonnen werden konnte. 10.000,– Mark hatte der Kirchenbauverein in 6 Jahren gesammelt. Pfarrer Neumair ist in den Nachbarpfarreien von Haus zu Haus gegangen, wobei sich besonders die Pfarrei Ebersberg freigebig zeigte. Neben der Kirchenbauvereinskasse war nun ein Kirchenbaufond entstanden, zu welchem als Grundstock 15.000,– Mark aus den Rentenüberschüssen bewilligt worden waren und noch 4000,– Mark freiwilliger Staatszuschuss kamen. Außerdem war endlich die Lotterie genehmigt worden, die 65.000,– Mark einbrachte, wobei der Haupttreffer von 25.000,– Mark durch eine eigenartige Fügung Gottes der Kirchenbaukasse erhalten blieb.

Kirchenbau-Lotterie

Um die 150.000 Lose (á 2,– M) möglichst alle zu verkaufen, sandte man an sämtliche bayerischen Raiffeisen-Vereine je 10 Lose, so auch nach Döckingen/Gunzenhausen. Der dortige Vereinsvorstand wollte nichts damit zu tun haben und übergab sie dem Postangestellten Christl zum Zurücksenden. Am Tage der Ziehung waren weder das Geld noch die Lose nach Hohenlinden zurückgesandt worden. Erst einige Tage später kamen die 20,- Mark vom Christl an, und dieser erhob nun Anspruch auf den Haupttreffer von 25.000,– M, der sich unter den 10 Losen befand. Ob Christl wirklich die Lose-Sendung vergessen oder ob er inzwischen vom Haupttreffer erfahren hatte? Jedenfalls war er seiner, Pflicht nicht nachgekommen, und man drohte ihm mit einer Meldung an seine vorgesetzte Behörde. Da Christl sich still verhielt und keine Klage erhob, ist wohl anzunehmen, dass er ein schlechtes Gewissen hatte. Die Kirchenverwaltung überließ ihm 500,– Mark Schmerzensgeld aus Freude über die gewonnenen 25.000,- Mark. Zuerst war als Bauplatz der Grund ausersehen, auf dem 1904 das Armenhaus, früher das Rathaus, errichtet wurde. Da das Ergebnis der Kirchenbau-Lotterie aber so günstig war, entschloss man sich für den Platz an der Hauptstraße. Zu diesem Zweck wurde das dort stehende Hochbrunner-Anwesen für 8000,– Mark gekauft und noch die angrenzende Wiese des Fuchs um 2300,– Mark. Am 1. Sept. 1901 erfolgte die Grundsteinlegung durch Dekan Haberstock von Isen. Da damals die Nonnenraupe im Forst große Verwüstungen anrichtete, nutzte man die Gelegenheit, billiges Brennholz zu kaufen und Ziegel zu brennen. Der Jehlbauer von Kronacker stellte dazu seinen Ziegelstadel bereitwillig zur Verfügung. Bis 1895 waren 400.000 Ziegelsteine hergestellt, und Alt und Jung beteiligte sich am Auf- und Abladen der Ziegel. Die Fuhrwerke waren von den Bauern um Gotteslohn gestellt. Am 24. 5. 1902 starb Pfarrer Neumair, der Hauptinitiator des Baues, im Alter von 44 Jahren an Speiseröhrenkrebs. Der Bau geriet trotz des Einsatzes des Kirchenpflegers Kellner in Schwierigkeit. Auch waren die Finanzmittel erschöpft. Pfarrer Neumair’s Nachfolger, Pfarrer Braun, nahm nun eine Hypothek von 25.000,- Mark auf und vollendete die im neugotischen Stil und in Backsteinbauweise errichtete Kirche.

Der Kirchenbauer Hans Schurr

Auffallend ist, dass weder die Pfarrchronik vom Pfarrer Martin Andrä, begonnen 1937, Handschrift Pfarramt Hohenlinden, noch die amtliche Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising für die Pfarrei Hohenlinden, nach 1974 fertig gestellt, den Namen des Kirchenbauers der Pfarrkirche Sankt Josef enthalten. Mehr durch Zufall konnte dieser jetzt mit dem Münchner Architekten Hans Schurr gefunden werden (geb.: 1846, gest. 1934). Er war der Bauherr von mehreren Kirchen im damals zeitgemäßen neubarocken und neugotischen Stil in Oberbayern, unter anderem so in München Sankt Josef in Schwabing und Sankt Anton in der Kapuziner Straße, von der großen Klosterkirche Sankt Ottilien und dann von Sankt Josef in Hohenlinden. In Niederbayern unter anderem in Bayerisch-Eisenstein, in Laberweinting und in Spiegelau.

Einige Zahlen zum Kirchenbau und zu den Ausmaßen der Kirche:

Im Fundament wurden 945 m3 Beton und insgesamt 4800 Zentner Zement verarbeitet. Zum Großteil schenkten die Bauern die benötigten 140 Festmeter Bauholz. Das längste Bauholz im Zopf ist 20 Meter lang und 23 Zentimeter dick. Benötigt wurden 500.000 Ziegel- und 76.000 Gewölbesteine, 22.500 Biberschwänze, 500 m2 Solnhofener Platten für das Kirchenpflaster und 20 Festmeter Lärchenholz für den Glockenstuhl. Für das Bauwerk selbst mussten 120.540 Goldmark aufgebracht werden und für die Inneneinrichtung 26.954 Goldmark, zusammen 147.494 Goldmark. Dabei kostete die Orgel mit 17 klingenden Registern 5900 M, die Kanzel 2200 M. Die Kirchenstühle für je 9 Personen und die Orgelempore fertigte der einheimische Schreiner Nagl für 2304 M. Dazu kam noch das Geläut, bestehend aus 5 Glocken mit einem Gesamtgewicht von 97 Zentnern. Die Töne waren c, e, g, a, c und das Gewicht der Glocken 46, 23, 13, 9 und 6 Zentner. Eine Glocke stiftete noch Pfarrer Neumaier, eine andere der Privatier Zeno Greimel von Hohenlinden.

Die Kirche ist 48 Meter lang, außen 17, innen 14 Meter breit. Die Kirchenmauern sind 14 Meter, das Gewölbe 17, der Giebel 26 Meter hoch. Das bis zum Glockenstuhl 90 und dann 70 Zentimeter starke Bauwerk des Turmes ist 35 Meter hoch, der Dachstuhl 29 und das Turmkreuz 6 Meter, so dass der Turm eine Gesamthöhe von 70 Metern hat. Er ist von allen Punkten der Hohenlindener Schotterebene aus, aber auch noch von der Anhöhe südlich von Markt Schwaben oder vom Ebersberger Aussichtsturm aus gut als spitze Nadel sichtbar.

Der Hochaltar

St Josef AltarAls Hochaltar diente der von Pfarrer Kratzer in der Alten Kirche errichtete Altar. In der Karwoche im Jahre 1912 wurde der jetzige Hochaltar in der Pfarrkirche Sankt Josef in Hohenlinden aufgestellt. Er wurde entworfen von Josef Elsner. Josef Elsner (geb.: 1845 in Schlesien, seit 1880 in Bayern, gest. nach 1910) war ein bekannter Münchner Kirchenbaumeister und ein weithin gesuchter Entwerfer von neugotischen Hochaltären in Ober-und Niederbayern, so in Maisach bei München, in Seeshaupt, in Tittling, Aicha v.W. und Siegenburg. Der Hochaltar von Hohenlinden ist ein neugotischer Flügelaltar mit einem neugotischen Tabernakel, seitlich davon je ein Anbetungsengel. In der Predella (am Sockel des Flügelaltares) zeigen zwei Gemälde den Traum Josefs und die Flucht nach Ägypten. In der Mittelnische ist die Kreuzigungsgruppe, in den seitlichen Nischen zeigen Reliefs die Geburt Christi, den Stall in Bethlehem mit Engeln und die Anbetung der Könige. Auf den seitlichen Flügeln ist die hl. Familie im Tempel und die Beschneidung Christi zu sehen. Auf den wenig gezeigten umseitigen Flügeln sind der Apostel Johannes und König David mit der Harfe abgebildet. Im Gesprenge stehen die Figuren: der Pfarrpatron Sankt Josef mit dem Jesuskind, an dessen Seiten der Diözesanpatron Korbinian und der Münchner Stadtpatron St. Benno. Der Hochaltar wurde von einem bis heute unbekannt gebliebenen Wohltäter in München gestiftet. Auch der Preis dafür konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Der bisherige Not-Hochaltar kam nach entsprechender Fassung als Marienaltar in die Seitenkapelle auf der Evangelienseite. Den „Bruder-Konrad-Altar“ auf der Epistelseite schnitzte 1936 der Kunstschreiner Georg Braun, Grafing, ein Sohn der Schuhmacherseheleute Braun, Hohenlinden. Die dem hl. Josef geweihte Kirche, die mit so großen Opfern der Hohenlindener, aber auch mit Spenden aus der näheren und weiteren Umgebung entstanden ist, wurde am 26.08.1903 durch den Erzbischof von München und Freising, Fr. Josef von Stein, eingeweiht.

St Josef Innenraum

Im Hochaltar sind die Reliquien der Märtyrer Benedikt, Justus und Jucundina eingeschlossen. Die Sakristei wurde 1903 mit der Kirche erbaut und ist neuzeitlich eingerichtet. Die Paramente sind alle erst nach 1903 beschafft worden. Aus der Sakristei der Alten Kirche hat man ein Segensvelum aus der Zeit um 1780 übernommen. Auch wird in der Sakristei noch ein alter Kreuzpartikel von etwa 1700 aufbewahrt, den die Jesuiten des Klosters Ebersberg der Alten Kirche gestiftet haben.

Renovierungsarbeiten an der Pfarrkirche

Am 03. Oktober 2010 konnte nach fast vier Jahren der Abschluss der Renovierungsarbeiten der Pfarrkirche St. Josef gefeiert werden. Gesamtkosten der Renovierungsarbeiten betrugen über 2 Mio. Euro. Die Bevölkerung Hohenlindens leistete viele ehrenamtliche und unentgeltliche Arbeitsstunden.

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